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Grafik, auf der unter anderem spielende Kinder, Menschen im Gespräch und eine ältere Frau mit einer Gehhilfe zu sehen sind

Bevölkerungsbewegung

Geburten und Sterbefälle (natürliche Bevölkerungsbewegung) sowie Zu- und Fortzüge (Wanderungen) verändern stetig die Zusammensetzung der Bevölkerung.

In Westfalen würde die Bevölkerung schrumpfen, wenn nicht Menschen aus anderen Teilen von NRW, Deutschland und der Welt ins Münsterland oder in das westfälische Ruhrgebiet, nach Ostwestfalen-Lippe oder Südwestfalen ziehen würden.

Natürliche Bevölkerungsentwicklung

In den vergangenen Jahren lag die Zahl der Sterbefälle in Westfalen stets über der Zahl der Geburten. 2024 wurden zum Beispiel rund 73.000 Kinder geboren, während etwa 103.200 Menschen gestorben sind. Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist also negativ, sodass die Bevölkerung ohne Zuwanderung schrumpfen würde.

Nachdem die Zahl der Geburten bis zum Jahr 2017 stieg, ging sie in den folgenden Jahren wieder deutlich zurück. Dies hat verschiedene Ursachen. 

Der Anstieg bis 2017 ist unter anderem zurückzuführen auf eine steigende Anzahl von Geburten je Frau, da sich zum einen die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingen für Familien mit Kindern verbesserten. Zum anderen waren unter den Schutzsuchenden in den Jahren 2015 und 2016 viele junge Frauen die teilweise aus Ländern stammten, in denen eine Familie traditionell viele Kinder hat.

Seit 2017 ist ein Rückgang der Geburten zu beobachten, der nur im Jahr 2020 und 2021 im Rahmen der Covid-19-Pandemie unterbrochen wurde. Die Gründe für den Geburtenrückgang sind vielfältig. Unter anderem haben die Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie die Chance auf das Entstehen neuer Partnerschaften gesenkt. Hohe Miet- und Immobilienpreise, Wohnungsknappheit und auf Grund des Fachkräftemangels eingeschränkte Betreuungsmöglichkeiten haben ebenfalls einen Einfluss auf die Familienplanung vieler Menschen in Westfalen. Auch die Kriege in Nahost und in der Ukraine lösen Ängste vor einer Ausweitung von Konflikten aus und haben indirekte wirtschaftliche Folgen.

Weniger Geburten als Sterbefälle

Die Gesellschaft wird insgesamt älter: Es leben immer mehr Menschen in Westfalen, die mindestens 65 Jahre alt sind. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird stetig größer – das führt auch zu mehr Sterbefällen. Insgesamt stieg die Zahl der Sterbefälle in Westfalen zwischen 2015 und 2024 an, wenn auch mit leichten Schwankungen in den einzelnen Jahren. In den Jahren 2020 bis 2022 waren außergewöhnlich hohe Sterbefallzahlen zu verzeichnen, die zu einem großen Teil auf die Covid-19-Pandemie, jedoch auch insbesondere 2022 auf Phasen mit extremen Hitzerekorden und überdurchschnittlich schwere Grippewellen zurückzuführen sind. Mit Abklingen der Corona-Pandemie ist auch ein Rückgang der Sterbefallzahlen zu beobachten (Auswertung der unterjährigen Sterbefallzahlen seit 2020).

Grafik zeigt die Entwicklung der Geburtenzahlen und Sterbefälle zwischen 2015 und 2024

Zwischen 2015 und 2024 lag die Zahl der Sterbefälle stets über der Zahl der Geburten.

Wird nur die natürliche Bevölkerungsentwicklung betrachtet, sinkt die Bevölkerungszahl in Westfalen, NRW und Deutschland. 2024 wurde die Bevölkerung von NRW im Vergleich zum Vorjahr um 37,5 Personen pro 10.000 Einwohner:innen kleiner, die Bevölkerung in Westfalen schrumpfte etwas stärker, nämlich insgesamt um 38,8 Menschen pro 10.000 Einwohner:innen. Besonders groß war der natürliche Bevölkerungsrückgang im Regierungsbezirk Arnsberg: Hier sank die Bevölkerungszahl innerhalb eines Jahres um 48,2 Personen pro 10.000 Einwohner:innen.

Fast alle der 231 westfälischen Kommunen wiesen 2024 einen negativen natürlichen Bevölkerungssaldo auf, die Höhe des Verlustes an Einwohner:innen variierte jedoch stark. Besonders groß war der natürliche Bevölkerungsrückgang in Bad Sassendorf (Kreis Soest, verlor 2024 rund 128 Personen je 10.000 Einwohner:innen), Rahden (Kreis Minden-Lübbcke, minus 112 Personen) und Altenbeken (Kreis Paderborn, minus 94 Personen).

In Paderborn waren die Geburtenzahlen und Todesfälle nahezu ausgeglichen. Lediglich in elf Kommunen gab es 2024 eine positive natürliche Entwicklung, das heißt, dort wurden mehr Kinder geboren als Menschen starben. Die größten Bevölkerungsgewinne verzeichneten Augustdorf (Kreis Lippe, plus 49 Personen je 10.000 Einwohner:innen), Laer (Kreis Steinfurt, plus 47 Personen) und Lichtenau (Kreis Paderborn, plus 20 Personen).Bis auf Paderborn verbuchten alle westfälischen Großstädte ein natürliches Bevölkerungsminus.

Karte zeigt die natürliche Bevölkerungsentwicklung: In welchen Gemeinden wurden 2024 mehr Kinder geboren als Menschen gestorben sind?

Je heller die Einfärbung der Gemeinde, desto größer ist der Sterbefallüberschuss. Nur in sieben der dunkelrot gefärbten Gemeinden wurden 2024 mehr Menschen geboren als gestorben sind.

Wanderungsbewegung

Neben der Zahl der Geburten und Sterbefälle haben die Zu- und Abwanderungen einen Einfluss auf die Entwicklung und Zusammensetzung der Bevölkerung. Ein positiver Wanderungssaldo bedeutet, dass es mehr Einwohner:innen gibt, die in eine Gemeinde ziehen, als Menschen, die aus der Gemeinde fortziehen.

Zwischen 2015 und 2024 gab es in jedem Jahr einen Wanderungsgewinn, der bis 2015 stetig größer wurde. 2015 und auch 2022 war der Wanderungssaldo besonders hoch, bedingt vor allem durch den Zuzug von Geflüchteten. Es sind also stets mehr Menschen nach Westfalen gezogen, als Einwohner:innen die Region verlassen haben.

Einen negativen Wanderungssaldo verzeichnete nur der Regierungsbezirk Detmold im Jahr 2016.

Karte zeigt das Verhältnis von Zu- gegenüber Fortzügen an in den Kreisen und kreisfreien Städten im Jahr 2024

Je dunkler die Einfärbung der Gebiete, desto höher war der Überschuss an Zuzügen in die Kreise und kreisfreien Städte. Im Jahr 2024 verzeichnete der Kreis Coesfeld das größte Plus gemessen an der Zahl der Einwohner:innen (Überschuss von 103 Zuzügen auf je 10.000 Einwohner:innen). Nur der Kreis Unna hatte 2024 einen negativen Wanderungssaldo (minus 7 je 10.000 Einwohner:innen).

Wanderung von verschiedenen Altersgruppen

Welche Altersgruppe zieht besonders häufig um? Wohin? Und warum?

Besonders groß ist der Wanderungssaldo in Westfalen bei den Menschen unter 18 Jahren und in der Altersgruppe der 30- bis unter 50-Jährigen – das sind vor allem Familien mit Kindern, die zum Beispiel von einer Mietwohnung in der größeren Stadt in ein Haus oder eine Wohnung mit einem Kinderzimmer ziehen. Diese liegen oft in einer kleineren Gemeinde.

Auch bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren gibt es einen hohen Wanderungssaldo, bedingt durch den Ausbildungs- oder Studienstart, für den viele junge Menschen in eine andere Stadt oder eine eigene Wohnung ziehen. Den westfalenweit höchsten Wanderungssaldo dieser Altersgruppe weist der Regierungsbezirk Arnsberg auf; der NRW-weite Saldo liegt noch darüber.

Auffällig ist auch der Wanderungssaldo bei den 25- bis unter 30-Jährigen, der in Westfalen negativ, in NRW aber insgesamt positiv ausfällt. Menschen dieser Altersgruppe beenden ihre Ausbildung oder ihr Studium und starten anschließend ins Berufsleben, viele ziehen dafür aus Westfalen weg.

Menschen, die älter als 50 Jahre sind, ziehen eher aus NRW und Westfalen weg, als dass sie zuziehen. NRW ist insgesamt stärker von einer Abwanderung von Menschen dieser Altersgruppe betroffen als Westfalen.

Diagramm zeigt den durchschnittlichen Wanderungssaldo je 10.000 Einwohner:innen zwischen 2017 und 2020 nach verschiedenen Altersgruppen

Abgebildet wird der durchschnittliche Wanderungssaldo zwischen 2017 und 2020. Die Angaben zur Anzahl der Personen beziehen sich auf je 10.000 Einwohner:innen.

Zu- und Fortziehen während der Covid-19-Pandemie

2020 blieb der Wanderungssaldo zwar positiv, fiel aber deutlich niedriger aus als in den Jahren zuvor; der Grund dafür war die Covid-19-Pandemie. Diese sorgte dafür, dass es insgesamt weniger Umzüge gab, das Wanderungsvolumen war also geringer als in den Vorjahren.

Zwischen 2017 und 2019 verzeichnete Westfalen jährlich durchschnittlich rund 450.000 Zu- und etwa 433.000 Fortzüge, was einem positiven Wanderungssaldo von knapp 17.000 Personen entspricht. 2020 zogen ungefähr 405.000 Menschen (entspricht einem Minus von etwa zehn Prozent) in die Region, während rund 394.000 Personen (minus neun Prozent) Westfalen verließen. Vor allem die Wanderungsverflechtungen mit dem Ausland gingen unter dem Einfluss der Pandemie zurück.

Natürliche Bewegung und Wanderung

Der demografische Wandel zeigt sich in Westfalen deutlich: Die Todesfälle können von den Geburten nicht ausgeglichen werden.

Auch die Wanderungsgewinne reichten in den meisten Jahren nicht aus, um diese Lücke zu füllen, sodass die Bevölkerung in Westfalen insgesamt schrumpfte. In den Jahren 2014 und 2015 sowie 2021 bis 2023 wuchs die Bevölkerung allerdings deutlich, als viele Menschen in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchten. 2024 lebten mehr Menschen in Westfalen als im Jahr 2015.

Diagramm zeigt die natürliche Bevölkerungsentwicklung und den Wanderungssaldo zwischen 2015 und 2024

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung war zwischen 2015 und 2024 stets negativ. Im gleichen Zeitraum zogen mehr Menschen nach Westfalen hin, als Menschen aus der Region fort.

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