Zukünftige Bevölkerungsentwicklung
Für Politik und Verwaltung ist es wichtig zu wissen, wie sich die Bevölkerung in der Gemeinde, dem Kreis oder der Region verändern wird.
Mithilfe der sogenannten Bevölkerungsvorausberechnung entsteht eine fundierte Datengrundlage, damit Fragen wie diese beantworten werden können: Wie viele Schulen werden benötigt? Wie muss der Nahverkehr angepasst werden? Gibt es in einem Schwimmbad auch zukünftig genügend Besucher:innen? Kann ein Krankenhaus weiter betrieben werden? Wo müssen Wohnungen geplant und neugebaut werden?
Methodik
Das statistische Landesamt Information und Technik NRW (IT.NRW) schätzt regelmäßig in der Bevölkerungsvorausberechnung, wie viele Menschen zukünftig in den Städten und Gemeinden NRWs leben werden.
Im Rahmen der Bevölkerungsvorausberechnung wird die Zahl der Einwohner:innen bis zu einem bestimmten Jahr geschätzt, indem die aktuelle Bevölkerung nach Geschlecht und Altersjahrgängen fortgeschrieben wird. Geburten und Zuwanderung werden hinzugerechnet, Sterbefälle und Abwanderung werden abgezogen.
Wie viele Menschen geboren werden oder sterben, zu- oder abwandern, beruht auf Annahmen, die aufgrund von Entwicklungen in der Vergangenheit getroffen werden.
Das Ziel der Bevölkerungsvorausberechnung ist nicht, die exakte Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner vorherzusagen, vielmehr soll eine mögliche (wahrscheinliche) Entwicklung aufgezeigt werden. Diese ergibt sich, wenn sich bisherige Bevölkerungsveränderungen entsprechend den getätigten Annahmen in der Zukunft fortsetzen.
Alle zehn Jahre werden mithilfe einer statistischen Erhebung, dem Zensus, aktuelle Bevölkerungszahlen erhoben. Die Fortschreibung und Vorausberechnung der Bevölkerungszahlen basiert aktuell auf den beim Zensus 2022 erhobenen Bevölkerungszahlen.
Bevölkerungszahlen bis 2050
Gemäß der aktuellsten Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2024 geht die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner bis 2050 sowohl in NRW als auch in Westfalen und den drei Regierungsbezirken zurück.
Die westfälische Bevölkerung könnte von 8,3 Millionen Menschen im Jahr 2024 auf 8,0 Millionen Einwohner:innen im Jahr 2050 zurückgehen. Das entspricht einem Rückgang von rund 3,9 Prozent und ist deutlich mehr als der errechnete Bevölkerungsverlust in NRW (minus 2,7 Prozent).
In Westfalen wird die Bevölkerung bis 2050 deutlich kleiner. Den größten Bevölkerungsrückgang gibt es voraussichtlich im Regierungsbezirk Arnsberg.
Alle Regierungsbezirke Westfalens werden voraussichtlich Einwohnerinnen und Einwohner verlieren. Die Regierungsbezirke Detmold und Münster haben einen geringeren Bevölkerungsrückgang zu erwarten als der Regierungsbezirk Arnsberg.
Während im Bezirk Münster zunächst bis 2034 ein deutlicher Bevölkerungszuwachs erwartet wird, wird sich die Bevölkerungszahl in Detmold im gleichen Zeitraum kaum ändern. Für den Bezirk Arnsberg wird dagegen bereits ein deutlicher Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Ab etwa 2034 wird dann in allen drei Bezirken ein sich beschleunigender Rückgang erwartet.
Angezeigt wird die prognostizierte prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2024
Auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte werden zwischen 2024 und 2050 lediglich Münster (plus 2 Prozent) und Bielefeld (plus 0,7 Prozent) sowie der Kreis Steinfurt (plus 0,2 Prozent) Bevölkerungsgewinne erfahren. Für alle anderen Kreise und kreisfreien Städte wird ein Rückgang der Bevölkerungszahl erwartet. Besonders starke Rückgänge werden für den Märkischen Kreis (minus 12,2 Prozent) und den Kreis Olpe (minus 12,1 Prozent) prognostiziert.
Unterschiedliche Entwicklung in Kommunen
Auf Ebene der Kommunen wird die Entwicklung voraussichtlich sehr unterschiedlich ausfallen. Insgesamt 193 der 231 Städte und Gemeinden in Westfalen werden Einwohner:innen verlieren; die höchsten Bevölkerungsrückgänge werden für Balve (Hochsauerlandkreis, minus 19,3 Prozent) und Neuenrade (Märkischer Kreis, minus 18 Prozent) prognostiziert. In anderen Kommunen werden die Bevölkerungszahlen zunächst stagnieren oder gar steigen, um dann in einen Bevölkerungsrückgang umzuschlagen, unter anderem in Rhede (Kreis Borken), Vreden (ebenfalls Kreis Borken) oder Rüthen (Kreis Soest). Und es wird Kommunen geben, deren Bevölkerung im gesamten Zeitraum wächst, dazu zählen Gronau (Kreis Borken, plus 9,7 Prozent), Horstmar (Kreis Steinfurt, plus 9,2 Prozent) und Wickede (Kreis Soest, plus 9,1 Prozent).
Altersstruktur im Jahr 2050
Neben der Anzahl der Einwohner:innen, verändert sich auch die Altersstruktur der Bevölkerung. Die Gesellschaft altert, weniger Kinder werden geboren, die Gruppe der Menschen im Rentenalter wird größer.
In den letzten Jahren hat sich die Altersstruktur bereits deutlich gewandelt, in Zukunft wird es weitere Veränderungen geben.
Die größte Altersgruppe, die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboom-Generation, ist im Jahr 2024 (dargestellt als Fläche) zwischen Mitte 50 und Mitte 60 Jahren alt. 2050 (dargestellt als Linie), also rund 25 Jahre später, werden sie 80 Jahre alt sein und älter. Diese Altersgruppe wird dann deutlich mehr Menschen umfassen als 2024.
Insgesamt werden 2050 weniger Menschen in Westfalen leben als 2024, denn die Zahl der neugeborenen Kinder und der zugezogenen Menschen reicht nicht aus, um die Bevölkerungszahl zumindest stabil zu halten. Hauptsächlich die Gruppe der Menschen, die älter als 75 Jahre sind, wird zukünftig größer sein als 2024. Aber auch die Gruppe der Menschen um die 50 Jahre wird im Jahr 2050 größer sein als heute.
Damit wird voraussichtlich auch die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 deutlich steigen. So wird zum Beispiel für die Kreise Coesefeld, Borken und Paderborn ein Anstieg der pflegebedürftigen Personen von über 40 Prozent prognostiziert.
In der Grafik wird die Zahl der männlichen (blau) und weiblichen (rot) Einwohner:innen Westfalens in den Jahren 2024 (Fläche) und 2050 (Linie) abgebildet; auf der vertikalen Achse in der Mitte ist das Alter der Menschen angegeben.
Weniger Minderjährige und Erwerbsfähige, mehr Rentner:innen
In Westfalen werden 2050 weniger Kinder, Jugendliche und Menschen im erwerbsfähigen Alter leben als 2024. Dafür wird die Gruppe der Menschen im Rentenalter größer sein.
2024 lebten rund 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche in Westfalen, 2050 werden es etwa 1,33 Millionen sein – ein Rückgang um 6,9 Prozent. In NRW geht die Zahl der Minderjährigen nur leicht schwächer zurück (minus 6,7 Prozent). Hier wird sich dieser Trend fortsetzen. Die Zahl der Minderjährigen in NRW wird bis 2070 um über 9 Prozent sinken. Innerhalb der Gesamtbevölkerung sinkt der Anteil der Minderjährigen nur wenig, weil insgesamt weniger Menschen in NRW und Westfalen leben werden.
2024 waren etwa 61 Prozent der Westfälinnen und Westfalen im Alter von 18 bis 64 Jahren, ihr Anteil wird bis 2050 auf rund 57 Prozent sinken. Die Gruppe der Erwerbsfähigen wird also deutlich kleiner. Das kann nur zum Teil durch das auf 67 Jahre steigende Renteneinstiegsalter aufgefangen werden. 2050 werden in Westfalen rund 59 Prozent aller Menschen im Alter von 18 bis 66 Jahren sein.
Einzig der Anteil der Menschen im Rentenalter wächst: 2024 waren in Westfalen etwa 1,85 Millionen Menschen 65 Jahre alt oder älter, 2050 werden es vermutlich rund 2,08 Millionen Menschen sein. Damit wird im Jahr 2050 mehr als jede:r vierte Einwohner:in in Westfalen 65 Jahre oder älter sein.
Der Anteil der Menschen im Rentenalter wird bis 2050 deutlich größer werden, während weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter in Westfalen leben werden.
Sehr unterschiedliche Entwicklung auf kommunaler Ebene
Diese Entwicklungen sind in ähnlicher Form in den drei zu Westfalen gehörigen Regierungsbezirken festzustellen. Zwischen den verschiedenen Städten und Gemeinden liegen die Entwicklungen jedoch teilweise weit auseinander. So fällt der Rückgang der unter 18-Jährigen in Hallenberg (Hochsauerlandkreis) mit minus 21,5 Prozent am höchsten aus, dort sind dann nur noch etwa 13 Prozent aller Einwohner:innen jünger als 18 Jahre alt. Im Jahr 2024 waren es noch 16,6 Prozent. In Gladbeck wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen hingegen um 8,5 Prozent wachsen – ihr Anteil steigt von 18,9 Prozent im Jahr 2024 auf 20,5 Prozent im Jahr 2050. In Bad Sassendorf (Kreis Soest) und Hallenberg (Hochsauerlandkreis) wird 2050 nur noch knapp jede:r achte Bürger:in minderjährig sein, in Augustdorf (Kreis Lippe) und Gelsenkirchen ist es hingegen jede:r fünfte.
2050 wird in allen Gemeinden in Westfalen die Zahl der Menschen im Rentenalter höher sein als 2024. Besonders stark wird der Anteil in Hopsten (Kreis Steinfurt) steigen. Hier wird sich der Anteil der Menschen ab 65 mehr als verdoppeln und zwar von 18,5 Prozent auf 29 Prozent. Die Gemeinde mit den meisten Menschen im Rentenalter wird 2050 Bad Sassendorf (Kreis Soest) sein mit fast 38 Prozent.
Alternde Gesellschaft
Insgesamt verschiebt sich auch das Medianalter nach oben: 2024 waren durchschnittliche Westfälinnen und Westfalen 45,5 Jahre alt. 2040, also nur 16 Jahre später, werden sie 46,5 Jahre alt sein. Und weitere zehn Jahre später wird das Medianalter vermutlich noch einmal ein Jahr höher liegen.
Weitere Informationen
Das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen hat in einem Themenschwerpunkt zur Bevölkerungsvorausberechnung für NRW neue Ergebnisse vorgestellt, wie sich die Bevölkerung im Land NRW, Kreisen sowie Städten und Gemeinden vom 31.12.2023 bis zum Jahr 2050 entwickeln wird. Erstmalig wird dazu die Fortschreibung der Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus 2022 benutzt.
Dem Themenschwerpunkt zufolge wird die Bevölkerung in NRW bis 2070 um 6 Prozent kleiner werden. Besonders hohe Bevölkerungsverluste sind bis 2050 in Ost- und Südwestfalen zu erwarten.