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Grafik, auf der unter anderem spielende Kinder, Menschen im Gespräch und eine ältere Frau mit einer Gehhilfe zu sehen sind

Zukünftige Bevölkerungsentwicklung

Für Entscheidungstragende in der Politik und den Verwaltungen ist es wichtig zu wissen, wie sich die Bevölkerung in der Gemeinde, dem Kreis oder der Region verändern wird.

Mithilfe der sogenannten Bevölkerungsvorausberechnung entsteht eine fundierte Datengrundlage, damit Fragen wie diese beantworten werden können: Wie viele Schulen werden benötigt? Wie muss der Nahverkehr angepasst werden? Gibt es in einem Schwimmbad auch zukünftig genügend Besucher:innen? Kann ein Krankenhaus weiter betrieben werden? Wo müssen Wohnungen geplant und neugebaut werden?

Methodik

Das statistische Landesamt Information und Technik NRW (IT.NRW) schätzt regelmäßig in der Bevölkerungsvorausberechnung, wie viele Menschen zukünftig in den Städten und Gemeinden NRWs leben werden.

Im Rahmen der Bevölkerungsvorausberechnung wird die Zahl der Einwohner:innen bis zu einem bestimmten Jahr geschätzt, indem die aktuelle Bevölkerung nach Geschlecht und Altersjahrgängen fortgeschrieben wird. Geburten und Zuwanderung werden hinzugerechnet, Sterbefälle und Abwanderung werden abgezogen.

Wie viele Menschen geboren werden oder sterben, zu- oder abwandern, beruht auf Annahmen, die aufgrund von Entwicklungen in der Vergangenheit getroffen werden.

Das Ziel der Bevölkerungsvorausberechnung ist nicht, die exakte Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner vorherzusagen, vielmehr soll eine mögliche (wahrscheinliche) Entwicklung aufgezeigt werden. Diese ergibt sich, wenn sich bisherige Bevölkerungsveränderungen entsprechend den getätigten Annahmen in der Zukunft fortsetzen.

Bevölkerungszahlen bis 2050

Gemäß der aktuellsten Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2022 geht die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner bis 2050 sowohl in NRW als auch in Westfalen und den drei Regierungsbezirken zurück.

Die westfälische Bevölkerung könnte von 8,4 Millionen Menschen im Jahr 2022 auf 7,9 Millionen Einwohner:innen im Jahr 2050 schrumpfen. Das entspricht einem Rückgang von rund 4,2 Prozent und ist deutlich mehr als der errechnete Bevölkerungsverlust in NRW (minus 1,7 Prozent).

Tabelle zeigt die vorausberechneten Bevölkerungszahlen für 2050 im Vergleich zu 2021

In Westfalen wird die Bevölkerung bis 2050 deutlich kleiner. Den größten Bevölkerungsrückgang gibt es voraussichtlich im Regierungsbezirk Arnsberg.

Alle Regierungsbezirke Westfalens werden voraussichtlich Einwohnerinnen und Einwohner verlieren. Die Regierungsbezirke Detmold und Münster haben einen geringeren Bevölkerungsrückgang zu erwarten als der Regierungsbezirk Arnsberg.

Während in den Bezirken Detmold und Münster zunächst ein langsamer Rückgang der Bevölkerungszahlen erwartet wird, der sich in den Folgejahren beschleunigt, wird für den Regierungsbezirk Arnsberg ein konstanter Rückgang prognostiziert.

Diagramm zeigt die prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen bis 2050 an

Angezeigt wird die prognostizierte prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2021

Auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte werden zwischen 2021 und 2050 lediglich Münster (plus 3,1 Prozent) und Bielefeld (plus 0,9 Prozent) sowie die Kreise Gütersloh (plus 0,9 Prozent) und Paderborn (plus 0,1 Prozent) Bevölkerungsgewinne erfahren. Für alle anderen Kreise und kreisfreien Städte wird ein Rückgang der Bevölkerungszahl erwartet.

Unterschiedliche Entwicklung in Kommunen

Auf Ebene der Kommunen wird die Entwicklung voraussichtlich sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Kommunen werden Einwohner:innen verlieren; die höchsten Bevölkerungsrückgänge werden für Bestwig (Hochsauerlandkreis, minus 21,9 Prozent) und Lügde (Kreis Lippe, minus 24 Prozent) prognostiziert. In anderen Kommunen werden die Bevölkerungszahlen zunächst stagnieren oder gar steigen, um dann in einen Bevölkerungsrückgang umzuschlagen, unter anderem in Bergkamen (Kreis Unna), Versmold (Kreis Gütersloh) oder Sendenhorst (Kreis Warendorf). Und es wird Kommunen geben, deren Bevölkerung im gesamten Zeitraum wächst, dazu zählen Bad Lippspringe (Kreis Paderborn, plus 15,8 Prozent), Olfen (Kreis Coesfeld, plus 13,7 Prozent) und Gronau (Kreis Borken, plus 12,5 Prozent).

Altersstruktur im Jahr 2050

Neben der Anzahl der Einwohner:innen, verändert sich auch die Altersstruktur der Bevölkerung. Die Gesellschaft altert, weniger Kinder werden geboren, die Gruppe der Menschen im Rentenalter wird größer.

In den letzten Jahren hat sich die Altersstruktur bereits deutlich gewandelt, in Zukunft wird es weitere Veränderungen geben.

Die größte Altersgruppe, die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboom-Generation, ist im Jahr 2021 (dargestellt als Fläche) zwischen 50 und 65 Jahren alt. 2050 (dargestellt als Linie), also rund 30 Jahre später, werden sie 80 Jahre alt sein und älter. Diese Altersgruppe wird dann deutlich mehr Menschen umfassen als 2021.

Insgesamt werden 2050 weniger Menschen in Westfalen leben als 2021, denn die Zahl der neugeborenen Kinder und der zugezogenen Menschen reicht nicht aus, um die Bevölkerungszahl zumindest stabil zu halten. Einzig die Gruppe der Menschen, die älter als 70 Jahre sind, wird zukünftig größer sein als 2021.

Diagramm zeigt die Altersstruktur 2021 und 2050

In der Grafik wird die Zahl der männlichen (blau) und weiblichen (rot) Einwohner:innen Westfalens in den Jahren 2021 (Fläche) und 2050 (Linie) abgebildet; auf der vertikalen Achse in der Mitte ist das Alter der Menschen angegeben.

Weniger Minderjährige und Erwerbsfähige, mehr Rentner:innen

In Westfalen werden 2050 weniger Kinder, Jugendliche und Menschen im erwerbsfähigen Alter leben als 2021. Dafür wird die Gruppe der Menschen im Rentenalter größer sein.

2021 lebten rund 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche in Westfalen, 2050 werden es etwa 1,33 Millionen sein – ein Rückgang von fast fünf Prozent. In NRW geht die Zahl der Minderjährigen um etwa drei Prozent zurück. Innerhalb der Gesamtbevölkerung schrumpft der Anteil der Minderjährigen nur wenig, weil insgesamt weniger Menschen in NRW und Westfalen leben werden.

2021 waren etwa zwei Drittel der Westfälinnen und Westfalen zwischen 18 und 65 Jahren alt, ihr Anteil wird bis 2050 auf rund 56 Prozent sinken. Die Gruppe der Erwerbsfähigen wird also deutlich kleiner.

Einzig der Anteil der Menschen im Rentenalter wächst: 2021 waren in Westfalen etwa 1,78 Millionen Menschen 65 Jahre alt oder älter, 2050 werden es vermutlich rund 2,17 Millionen Menschen sein. Damit wird nicht mehr länger etwa jede:r fünfte Einwohner:in älter als 65 Jahre sein, sondern mehr als jede:r vierte.

Diagramm zeigt die Anteile verschiedener Altersgruppen in Westfalen in den Jahren 2021 und 2050

Der Anteil der Menschen im Rentenalter wird bis 2050 deutlich größer werden, während weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter in Westfalen leben werden.

Sehr unterschiedliche Entwicklung auf kommunaler Ebene

Diese Entwicklungen sind in ähnlicher Form in den drei zu Westfalen gehörigen Regierungsbezirken festzustellen. Zwischen den verschiedenen Städten und Gemeinden liegen die Entwicklungen jedoch teilweise weit auseinander. So fällt der Rückgang der unter 18-Jährigen in Bestwig (Hochsauerlandkreis) mit minus 35,5 Prozent am höchsten aus, dort sind dann nur noch knapp 13 Prozent aller Einwohner:innen jünger als 18 Jahre alt. In Olfen (Kreis Coesfeld) wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen hingegen um 18,6 Prozent wachsen. In Winterberg (Hochsauerlandkreis) und Münster wird 2050 nur noch knapp jede:r siebte Bürger:in minderjährig sein, in Augustdorf (Kreis Lippe) und Gelsenkirchen ist es hingegen jede:r fünfte.

2050 wird in lediglich einer Kommune die Zahl der Menschen im Rentenalter kleiner sein als 2020 und zwar in der Kleinstadt Altena (Märkischer Kreis, minus 2,6 Prozent). Ganz im Gegenteil zu Hopsten (Kreis Steinfurt), wo 2050 rund 80 Prozent mehr Menschen älter als 65 Jahre sein werden als 2021.

Alternde Gesellschaft

Insgesamt verschiebt sich auch das Medianalter nach oben: 2020 waren durchschnittliche Westfälinnen und Westfalen 45,5 Jahre alt. 2030, also nur zehn Jahre später, werden sie 46,5 Jahre alt sein. Und weitere zehn Jahre später wird das Medianalter vermutlich noch einmal ein Jahr höher liegen.

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