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Grafik, auf der unter anderem Menschen im Gespräch, am Schreibtisch oder beim Tragen von Kisten sowie eine Fabrik zu sehen sind

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Wie steht die westfälische Wirtschaft insgesamt da? Welcher Wirtschaftszweig ist besonders wichtig? Gibt es bei der wirtschaftlichen Situation zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten Unterschiede?

Den größten Anteil zur Wertschöpfung trägt der Dienstleistungsbereich bei, 2023 waren es rund 67 Prozent. Im produzierenden Gewerbe (der Industrie) werden rund 32 Prozent der Wertschöpfung umgesetzt. Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei hat einen Anteil von weniger als einem Prozent.

In Westfalen ist die Industrie stärker vertreten als im NRW-weiten Durchschnitt, besonders in den Kreisen im Süden und Osten. In den kreisfreien Städten ist hingegen der Dienstleistungssektor besonders wichtig für die Wertschöpfung.

Mithilfe der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen soll das wirtschaftliche Geschehen abgebildet werden. Dafür werden das Bruttoinlandsprodukt und die Wertschöpfung betrachtet, sodass Unterschiede innerhalb Westfalens und zwischen den Wirtschaftszweigen aufgezeigt werden können.

Definition und Berechnung

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu bewerten, kann das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet werden. Das BIP gilt als wichtigster Indikator zur Beschreibung und Bewertung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und des Wohlstands.

Hier soll kurz erklärt werden, wie das BIP berechnet wird, wie die Wirtschaft in NRW und Deutschland eingeschätzt wird und wie aussagekräftig die Kennzahl ist.

Definition BIP

Das Statistische Bundesamt erklärt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) so: "Das Bruttoinlandsprodukt … ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das … BIP wird in jeweiligen Preisen und preisbereinigt … errechnet. … Die Veränderungsrate des ... Bruttoinlandsprodukts … dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften. Das … BIP ist damit die wichtigste Größe der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen …"

Es gibt in Deutschland zwei Methoden, um das BIP zu berechnen. "In der Entstehungsrechnung (Produktionsansatz) wird das ... BIP ermittelt, indem die Wertschöpfung aller Produzenten als Differenz zwischen dem Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen (Produktionswert) und dem Vorleistungsverbrauch berechnet wird und dann die Gütersteuern (wie Tabak-, Mineralöl- oder Mehrwertsteuer) hinzugefügt und die Gütersubventionen abgezogen werden. ... Eine andere Möglichkeit, das ... BIP zu errechnen, setzt an der Nachfrageseite an. Im Rahmen der Verwendungsrechnung (Ausgabenansatz) werden die Ausgaben für die Endverwendung von Waren und Dienstleistungen ermittelt, das heißt private und staatliche Konsumausgaben, Investitionen sowie Außenbeitrag (= Exportüberschuss = Exporte minus Importe)."

Definition BWS

Zur (Brutto-)Wertschöpfung (BWS) schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung: Die BWS ist "die Summe der in einem bestimmten Zeitraum in den einzelnen Wirtschaftsbereichen der Volkswirtschaft hergestellten Güter und Leistungen. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird die Wertschöpfung als Bruttowertschöpfung aus den ... hergestellte[n] Gütermengen zu jeweiligen Marktpreisen abzüglich der Vorleistungen der einzelnen Wirtschaftsbereiche berechnet."

Deutschland und NRW

Deutschland stand im Jahr 2025 mit einem BIP von rund 5.050 Milliarden US-Dollar im internationalen Ranking auf Platz drei der weltweit größten Volkswirtschaften. Vor Deutschland liegen die USA mit einem BIP von etwa 30.770 Milliarden US-Dollar und China (BIP von rund 19.630 Milliarden US-Dollar). Es folgen Japan, Großbritannien, Indien, Frankreich und Russland.

NRW erwirtschaftete im Jahr 2025 ein BIP von 909,4 Milliarden Euro, das entspricht rund einem Fünftel der deutschen Wirtschaftsleistung. Damit ist NRW (vor Bayern und Baden-Württemberg) das wirtschaftsstärkste Bundesland in Deutschland. Die Wirtschaftskraft von NRW ist größer als die von Staaten wie der Schweiz, Belgien oder Schweden.

Kritik am BIP

Das BIP ist zwar die bekannteste Kennzahl, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den Wohlstand eines Landes abzubilden, dennoch gibt es am Indikator auch Kritik.

So wird zum Beispiel kritisiert, dass die Folgen von wirtschaftlichem Wachstum nicht berücksichtigt werden, etwa die negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder das Klima. Zudem können negative Ereignisse das BIP positiv beeinflussen (ein Autounfall verursacht zum Beispiel Kosten für eine Autoreparatur und eine ärztliche Behandlung und treibt so das BIP in die Höhe). Arbeit, die ohne Einkommen geleistet wird, insbesondere Sorge- oder Hausarbeit, wird vom BIP nicht erfasst. Es wird zudem nicht berücksichtigt, wie der Wohlstand verteilt ist und ob etwa große soziale Ungleichheit herrscht.

Wirtschaftliche Situation

Zwischen 1993 und 2023 ist die Bruttowertschöpfung in Westfalen und NRW um gut 110 Prozent gewachsen.

In Westfalen betrug die Bruttowertschöpfung im Jahr 2023 rund 326 Mrd. Euro, das entspricht rund 42 Prozent der gesamten Wertschöpfung von NRW. Der Anteil der Wirtschaftsleistung, der in Westfalen erbracht wird, veränderte sich in den letzten drei Jahrzehnten kaum.

Während die gesamte Wertschöpfung zwischen 1993 und 2023 insgesamt um gut 110 Prozent größer wurde, wuchs das BIP pro erwerbstätiger Person in NRW um rund 72 Prozent.

2023 lag das BIP je erwerbstätiger Person im deutschlandweiten Durchschnitt bei 91.900 Euro, in Westfalen bei rund 81.000 Euro pro Person. In allen Kreisen und Kreisfreien Städten in Westfalen lag das BIP pro erwerbstätige Person unter dem deutschlandweiten Durchschnitt; in Gelsenkirchen, Münster, und den Kreisen Gütersloh und Olpe lag es über dem von NRW (rund 86.700 Euro). In Dortmund und den Kreisen Borken, Minden-Lübbecke und Soest lag es über dem westfälischen Durchschnitt (rund 81.000 Euro).

Das niedrigste BIP pro Person wies der Kreis Höxter auf, das höchste verzeichnete der Kreis Gütersloh.

Karte zeigt das BIP je Erwerbstätigem in den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens im Jahr 2023

Je dunkler die Einfärbung, desto höher ist das BIP je erwerbstätiger Person in den Kreisen und kreisfreien Städten. Der Indikator gilt als ein Maß für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Karte zeigt das verfügbare Einkommen der Haushalte je Einwohner:in im Jahr 2023

Einkommen der Haushalte

Wie viel Geld können private Haushalte für Konsum, zum Sparen oder Investieren verwenden?

Im Jahr 2023 standen den Einwohnerinnen und Einwohnern Westfalens (nach Abzug der Steuern und Sozialbeiträge) durchschnittlich 27.539 Euro zur Verfügung, NRW-weit waren es rund 200 Euro mehr.

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ist regional unterschiedlich in Westfalen verteilt: Am meisten Einkommen haben Menschen im Kreis Olpe zur Verfügung, es folgen der Kreis Coesfeld und der Kreis Gütersloh.

Niedrige Haushaltseinkommen im Ruhrgebiet

Die Haushalte mit dem niedrigsten Einkommen in Westfalen gehören im Jahr 2023 (mit einer Ausnahme) alle zum Ruhrgebiet. Außer im Ennepe-Ruhr-Kreis liegt das verfügbare Haushaltseinkommen der Kreise und kreisfreien Städte dort jeweils unterhalb des westfälischen Durchschnitts. Dies trifft in den anderen Teilregionen Westfalens nur auf Bielefeld und den Kreis Paderborn zu.

Die Spanne zwischen dem höchsten und niedrigsten Einkommen ist groß: Während Haushalten im Kreis Olpe im Jahr 2023 pro Person 33.232 Euro zur Verfügung standen, waren es in Gelsenkirchen lediglich 20.138 Euro. Damit verfügten die Menschen in Gelsenkirchen über weniger als zwei Drittel des Einkommens der Menschen im Kreis Olpe.

Steigende Löhne

Wie viel Geld die Haushalte zur Verfügung stehen haben, hängt insbesondere vom Gehalt der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab. Im Vergleich zum Jahr 2003 lagen die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer:innen 2023 rund 52 Prozent höher. Die im Durchschnitt höchsten Gehälter Westfalens wurden im Regierungsbezirk Arnsberg gezahlt.

Seit 2020 stiegen die Löhne weiter, zunächst allerdings nicht so deutlich wie die Verbraucherpreise. Die Reallöhne wurden zwischen 2020 und 2022 jährlich kleiner: Die Arbeitnehmer:innen bekamen zwar mehr Gehalt, konnten sich davon allerdings weniger leisten. Von den Preissteigerungen waren Haushalte mit einem niedrigen Einkommen überdurchschnittlich stark betroffen. Seit dem zweiten Quartal 2023 steigen die Reallöhne wieder: Im dritten Quartal 2025 lagen die effektiven Bruttomonatsverdienste rund 3,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Wertschöpfung in verschiedenen Wirtschaftszweigen

Der größte Teil der Wertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, es folgt das produzierende Gewerbe. Die Landwirtschaft macht mittlerweile nicht einmal ein Prozent der gesamten Wertschöpfung aus.

Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungsbereich: 67 Prozent der gesamten Wertschöpfung werden im dritten Sektor erwirtschaftet. An zweiter Stelle steht die Industrie, die rund 32 Prozent der Wertschöpfung einbringt. Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erwirtschaften westfalenweit fast ein Prozent der gesamten Wertschöpfung.

Dienstleistungssektor

In nahezu allen Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens wird der Großteil der Wertschöpfung im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. In Münster, Dortmund, Bielefeld und Bochum machen im Jahr 2023 Dienstleistungen sogar zwischen 75 und 90 Prozent der gesamten Wertschöpfung aus – in den kreisfreien Städten ist der Dienstleistungssektor also besonders wichtig.

Karte zeigt den Anteil des Dienstleistungsbereichs an der Wertschöpfung in den Kreisen und kreisfreien Städten im Jahr 2023

Je dunkler die Einfärbung der Kreise und kreisfreien Städte, desto höher ist der Anteil, den Dienstleistungen zur Wertschöpfung beitragen.

Produzierendes Gewerbe

In Westfalen, insbesondere im Süden und Osten, hat das produzierende Gewerbe eine hohe Bedeutung. Rund 32 Prozent der gesamten Wertschöpfung Westfalens werden im produzierenden Gewerbe erwirtschaftet, in NRW sind es insgesamt etwa 27 Prozent.

Im Ruhrgebiet, das lange als "industrielles Herz" Europas galt, wurde 2023 nur gut ein Viertel der Wertschöpfung (und damit weniger als im NRW-weiten Durchschnitt) im zweiten Sektor umgesetzt. Die industrielle Kernregion NRWs liegt also nicht länger im Ruhrgebiet, sondern eher in Süd- oder Ostwestfalen. Ganz besonders gilt das für den Kreis Olpe: Der südwestfälische Kreis ist der einzige in NRW, in dem mehr als die Hälfte der gesamten Wertschöpfung in Industriebetrieben erwirtschaftet wird: 2023 waren es rund 59 Prozent.

Im Kreis Olpe wird NRW-weit am meisten Wertschöpfung pro Person (im Jahr 2023 rund 29.000 Euro) im produzierenden Gewerbe erwirtschaftet. Es folgen der ebenfalls westfälische Kreis Gütersloh (gut 24.300 Euro) und Leverkusen (Rheinland, rund 22.000 Euro).

Karte zeigt den Anteil des produzierenden Gewerbes an der Wertschöpfung in den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens im Jahr 2023

In den dunkel eingefärbten Kreisen und kreisfreien Städten ist der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Wertschöpfung besonders hoch.

Weitere Informationen

Die Geographische Kommission für Westfalen hat in einem Artikel das Lohn- und Gehaltsniveau in Westfalen beschrieben und einige Entwicklungen erläutert.

Der statistische Landesbetrieb IT.NRW hat dargestellt, wie und in welchem Umfang Haushalte mit unterschiedlichen Einkommen 2021 von den Preissteigerungen für Lebensmittel und Energie betroffen waren.

IT.NRW und das NRW-Ministerium für Gleichstellung wollen mit dem Lohnatlas NRW Transparenz bezüglich der Bezahlung von Männern und Frauen schaffen, indem dort Lohn(un)gleichheiten zwischen den Geschlechtern aufgezeigt werden.

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