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Grafik, die eine Situation vor einem Krankenhaus zeigt mit Rettungswagen, Hubschrauber und verschiedenen Personen

Gesundheitsversorgung

Deutschlandweit soll die medizinische Versorgung flächendeckend, bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig sein. Alle Menschen sollen, unabhängig von ihrem Wohnort, angemessen und schnell Hilfe erhalten.

In Westfalen ist die gleichwertige Versorgung von Menschen in städtischen Ballungsräumen und in ländlich gelegenen Gemeinden besonders wichtig, denn: Der westfälische Landesteil ist größer als der rheinländische, aber im Rheinland lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung von NRW. In Westfalen gibt es also Gebiete, die weniger dicht besiedelt sind.

Bei der medizinischen Versorgung spielen vor allem die Hausärztinnen und -ärzte eine wichtige Rolle: Sie dienen als "Lotsin" und "Lotse", die ihre Patientinnen und Patienten nur im Bedarfsfall an Fachärztinnen und -ärzte überweisen. Dieses Konzept der "hausarztzentrierten Versorgung" ist gesetzlich festgelegt und wird bundesweit umgesetzt.

Karte zeigt die Zahl der Einwohner:innen pro Arzt/Ärztin in den Kreisen und kreisfreien Städten im Jahr 2019

Ärztliche Versorgung

Im Rahmen der sogenannten "Primärversorgung" übernehmen die Hausärztinnen und -ärzte den Kontakt zu den Patientinnen und Patienten, geben Diagnosen und beantworten wichtige Fragen.

Die hausärztliche Versorgung ist in Westfalen weniger dicht als im Rheinland oder anderen Teilen von Deutschland, vor allem in einigen ländlichen Gebieten und Kreisen. Bundesweit versorgen ein Hausarzt oder eine Hausärztin im Durchschnitt 1.607 Patientinnen und Patienten. Außer in Münster und dem Kreis Coesfeld versorgen die Hausärzte und -ärztinnen in Westfalen mehr Menschen als im Bundesdurchschnitt. In Hamm betreut eine Hausärztin 2.066 Menschen, ein Hausarzt im Kreis Coesfeld wiederum "nur" 1.540 Menschen. In Westfalen werden durchschnittlich insgesamt 1.776 Menschen durch den gleichen Hausarzt oder die gleiche Hausärztin betreut.

Insbesondere im ländlichen Raum ist eine flächendeckende Versorgung wichtig, vor allem für ältere Menschen: Sie gehen häufiger zur Ärztin oder zum Arzt und sind gleichzeitig weniger mobil.

Die schon heute teilweise angespannte Versorgungssituation wird sich in den kommenden Jahren eher verschärfen, weil die Bevölkerung altert und ältere Menschen häufiger ärztlich versorgt werden und weil gleichzeitig aktuell praktizierende Mediziner:innen in den Ruhestand gehen.

Grafik zeigt die Altersstruktur der Hausärztinnen und -ärzte

Die meisten Hausärztinnen und -ärzte sind zwischen 55 und 59 Jahren alt und werden somit innerhalb der nächsten zehn Jahre voraussichtlich in den Ruhestand gehen. Ein Teil der Mediziner:innen praktiziert weiter, auch wenn das Rentenalter schon erreicht ist.

Noch größer als bei den Hausärztinnen und -ärzten fällt die Versorgungsspanne bei den Fachärztinnen und -ärzten aus. In Münster versorgen ein Facharzt, eine Fachärztin oder ein:e Psychotherapeut:in 677 Patientinnen und Patienten, die Kolleginnen und Kollegen im Kreis Höxter betreuen hingegen 1.739 Menschen.

Ausbildung und "Klebe-Effekt"

Einen wichtigen Beitrag zur künftigen ärztlichen Versorgung leistet die Ausbildung angehender Mediziner:innen. Zusätzlich zur Ausbildung an den Universitäten Münster, Witten/Herdecke und Bochum werden seit dem Wintersemester 2021/2022 auch an der Universität Bielefeld Medizinstudierende unterrichtet und in den Praxen und Krankenhäusern von Ostwestfalen ausgebildet. Die Verantwortlichen hoffen auf einen "Klebe-Effekt": Die Studierenden sollen nach dem Ende ihrer Ausbildung im besten Fall als Hausärztin oder Hausarzt vor Ort bleiben, etwa indem sie in Gemeinschaftspraxen einsteigen oder eigene Praxen gründen oder übernehmen.

Viele Kommunen und Kreise versuchen, gezielt junge Nachwuchskräfte für ihre Region zu gewinnen, zum Beispiel mit Stipendien oder Beratungsangeboten. Dennoch können Praxen in ländlichen Kommunen häufig nicht weitergeführt, sondern müssen aufgegeben werden.

Krankenhäuser

Die ambulante Versorgung wird durch Haus- und Fachärztinnen und -ärzte sichergestellt, die Krankenhäuser übernehmen die stationäre Versorgung der Menschen. Krankenhäuser sollen schnell zu erreichen sein und auf einem hohen Niveau praktizieren, sodass die Menschen so gut wie möglich und gleichzeitig wohnortnah versorgt werden können.

Von vielen Orten Westfalens aus lässt sich mit weniger als 20 Minuten Autofahrt ein Krankenhaus erreichen, oft sogar in weniger als zehn Minuten. Lediglich in kleinen Teilen von Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen sind die Krankenhäuser weiter entfernt, sodass die Menschen zwischen 20 und 30 Minuten (oder noch mehr) für die Autofahrt einplanen müssen, um ein Krankenhaus zu erreichen. Die flächendeckende Versorgung wird als gefährdet eingestuft, wenn die Fahrzeit zum Krankenhaus mehr als 30 Minuten beträgt. Überall in Westfalen ist die Versorgung flächendeckend sichergestellt.

Längere Wege im ländlichen Raum

Ebenso wie bei der hausärztlichen Versorgung besteht auch bei der Ausstattung mit Krankenhäusern ein Gefälle zwischen den Städten mit zahlreichen Angeboten und den ländlichen Gebieten mit wenigen Hausärztinnen und -ärzten und längeren Anfahrtswegen zum nächsten Krankenhaus. Besonders viele Kliniken gibt es im Ruhrgebiet und den städtischen Oberzentren Münster und Bielefeld.

Eine Orientierung für die Erreichbarkeit von Krankenhäusern bietet der Krankenhausatlas. Dort wird dargestellt, an welchen Orten Krankenhäuser liegen, welche Fachabteilungen es gibt und wie schnell von einem Ort aus ein Krankenhaus erreicht werden kann. Der Atlas ist auf dem Stand vom Jahr 2016 und somit teilweise nicht mehr aktuell.

Schließung von Geburtsstationen

Seit 2016 wurden, trotz steigender Geburtenzahlen, einige Geburtsstationen geschlossen, insbesondere im ländlichen Raum. Grund für die Schließungen ist, neben der fehlenden Wirtschaftlichkeit, vor allem der Personalmangel. Gerade kleinere Krankenhäuser in ländlichen Gebieten haben immer größere Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, sodass in der Folge Stationen vollständig geschlossen werden müssen. Proteste gegen die Schließungen verhinderten ein Aufgeben der Stationen meist nicht.

Mittlerweile gibt es zum Beispiel im gesamten Münsterland lediglich zehn Kliniken mit einer Geburtsstation, weswegen längere Anfahrtswege dort keine Seltenheit, sondern eher die Regel geworden sind. Bei Geburtsstationen werden 40 Minuten Anfahrtszeit als flächendeckende Versorgung eingestuft.

Personalmangel und Bedarfsplanung

Nicht nur in den Geburtsstationen, sondern auch im übrigen Gesundheitssektor zeigt sich der Personalmangel. Dabei ist, gerade im Hinblick auf eine sich verschärfende Versorgungslage bei den Hausärztinnen und -ärzten, eine ausreichende Ausstattung mit allgemeinen Krankenhäusern und entsprechenden Fachabteilungen wichtig. Problematisch ist es vor allem im ländlichen Raum, dort fehlen unter anderem Fachkräfte und die finanziellen Möglichkeiten der Krankenhäuser sind eingeschränkt.

Gleichzeitig soll die hohe Qualität der medizinischen Versorgung sichergestellt werden: Wenn Eingriffe, Behandlungen oder Therapien häufiger durchgeführt werden, können Erfahrungen gesammelt und Expertise angehäuft werden, das medizinische Personal kann sich so spezialisieren.

Die gute Erreichbarkeit eines Krankenhauses, der tatsächliche Bedarf und eine hochwertige Behandlung sind die wichtigsten Kriterien, nach denen die Landesregierung die Krankenhäuser plant. Langfristig soll eine Überversorgung der Städte und eine Unterversorgung im ländlichen Raum vermieden und gleichzeitig die Qualität der Behandlungen und Versorgung gesteigert werden. Dafür wurde 2022 ein Krankenhausplan vorgestellt, der im Titel festhält: "Die Strukturen müssen für die Menschen da sein, nicht die Menschen für die Strukturen!"

Pflege

Die Menschen werden immer älter, sowohl in Westfalen als auch in Deutschland insgesamt. In vielen Industrienationen schrumpft gleichzeitig der Anteil der jüngeren Bevölkerung. So altert langfristig die gesamte Gesellschaft und der sogenannte "demografische Wandel" tritt ein.

Mit dem demografischen Wandel steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen.

Steigende Zahl Pflegebedürftiger

Heute leben in Westfalen weniger Pflegebedürftige als im NRW-Durchschnitt oder in anderen Gebieten von Deutschland, wobei der Anteil in den nächsten Jahren wachsen wird. Besonders groß ist der Zuwachs laut Prognosen im zur Zeit "jungen" Münsterland: 2040 wird es voraussichtlich knapp acht Pflegebedürftige pro 1.000 Einwohner:innen mehr geben als 2015. Heute leben viele pflegebedürftige Menschen in Südwestfalen, wobei Prognosen auch hier einen weiteren Anstieg vorhersagen, von heute fast 36 auf rund 42 pflegebedürftige Menschen pro 1.000 Einwohner:innen.

Die meisten pflegebedürftigen Menschen lebten 2017 in Hagen, die wenigsten in Münster.

Zu wenig Plätze in Pflegeheimen

Ohne die Unterstützung der Angehörigen und ambulanter Dienstleister wäre eine Versorgung aller pflegebedürftigen Menschen in Westfalen nicht möglich.

Bereits heute gibt es keine ausreichende Versorgung mit freien Plätzen in Pflegeheimen. Obwohl in den ländlichen Kreisen häufig mehr ältere Menschen leben, gibt es dort weniger freie Plätze in den Pflegeheimen als in städtischen Gebieten.

Weil die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, wird das Thema zukünftig weiter an Brisanz und Wichtigkeit gewinnen.

Reha- und Vorsorgeeinrichtungen

Auch die Verfügbarkeit von Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen ist Teil der medizinischen Versorgung. Hier ergeben sich westfalenweit große Unterschiede.

Besonders viele Einrichtungen (im Verhältnis zur Zahl der Einwohner:innen) gibt es in den Kreisen Höxter und Soest, in denen viele Kurorte und Heilbäder liegen. Dort werden nicht nur die Einwohner:innen behandelt, sondern auch Menschen aus umliegenden Kreisen und Gemeinden.

In Bielefeld, Herne und im Kreis Olpe gab es 2015 keine einzige Vorsorge- oder Rehaeinrichtung.

Apotheken

In Westfalen gibt es insgesamt 1.711 öffentliche Apotheken (Stand 03.01.2024). Eine Apotheke versorgt im Durchschnitt rund 4.800 Bürger:innen, das sind etwa zehn Prozent mehr als im deutschlandweiten Durchschnitt. Die Versorgung ist in Deutschland derzeit noch nicht gefährdet: 21 Apotheken versorgen durchschnittlich 100.000 Menschen - EU-weit liegt die Apothekendichte bei 32.

Bei der Versorgung durch die Apotheken erkennt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe insbesondere zwei Trends: Es gibt immer weniger Apotheken und immer weniger Fachkräfte. Die Zahl der Apotheken sinkt seit nunmehr fast 20 Jahren, während die bestehenden Apotheken immer mehr Menschen versorgen. Der Grund für den Rückgang der Apotheken ist unter anderem die sinkende Zahl der Hausärzte und Hausärztinnen. Auch der Fachkräftemangel wird immer mehr zum Problem: Auf 20 ausgeschriebene Stellen gibt es im Durchschnitt nur eine suchende Fachkraft. Viele Stellen in Westfalen bleiben deshalb länger frei oder können gar nicht besetzt werden.

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